Brown Bunny und warum es notwendig war

Gedanken zum Film „Brown Bunny“ – Regie/Hauptdarsteller Vincent Gallo

Immer diese Doppelmoral. Verhinderte Turnstunden kriegen 1 bis 3 Punkte in der Rubrik Erotik. Doch kaum hat eine Story ein bisschen zu viel Tiefgang, wird sie zum öffentlichen Ärgernis. Eigentlich erzählt der Film die Geschichte einer verdrängten Trauer.
Der Rennfahrer Bud Clay, der uns wortwörtlich fahrend durch den Film trägt. Er fährt und fährt. Öde Landschaften – belanglose Begegnungen. Was treibt den Mann an? Bud trifft im Lauf seiner Reise auf drei recht unterschiedliche Frauen. Er begehrt diese Frauen doch im nächsten Moment drückt sich dieses Begehren wieder in Flucht aus. Er ist auf der Flucht — auf der Flucht vor sich selbst. Wovor hat dieser Mann Angst?

Das erste Puzzlefragment – irgendetwas stimmt nicht. Daisys Eltern können sich an Bud, den Freund ihrer Tochter, nicht so richtig erinnern. Das braune Häschen. Ein Geschenk von Bud an Daisy. Er schenkte es ihr vor vielen Jahren. Aber warum ist es bei den Eltern? Wieso lebt dieses braune Häschen noch? Wo ist Daisy?

Bud fährt weiter. Im Hotelzimmer trifft er auf Daisy. Daisy wirkt abwesend. Sind es die Drogen, die sie abwesend wirken lassen? Der Abgrund, der die ganze Zeit marginal spürbar war, liegt nun offen vor uns. Die Rückblenden beantworten nach und nach das Unbegreifliche. Die Situation im Hotelzimmer spitz sich zu. Bud macht Daisy Vorwürfe. Warum behandelt er sie so schlecht?

Als Nächstes folgt die umstrittene Szene, in der es zu einer angeblich “nicht simulierten sexuellen Handlung” zwischen Gallo und Sevigny kommt. Ich erinnere hier an das Rammstein-Video „Pussy“, das wahrscheinlich genauso echt war! Wie auch immer.

Wir sollten uns nicht zu sehr auf diese Szene versteifen. Die Szene selbst ist nur ein Platzhalter für die seelische Verfassung des mit Schuldgefühlen behafteten Rennfahrers Bud Clay.

Ein Mensch, der sich schuldig fühlt. Schuldig am Tod eines geliebten Menschen. Die „Sexszene“ ist doch nur weiter kläglicher Versuch vor der Wirklichkeit zu entfliehen. Daisy post mortem die Schuld zu zuweisen ist ein reiner Abwehrmechanismus. Denn was ich verachte, muss ich nicht lieben. Am Ende hat Bud die Realität eingeholt, Krankenwagen – das leere Hotelzimmer – sie ist nicht mehr da!

Schade, dass dieser Film nicht in den deutschen Kinos zu sehen war.

Über HEB

Freischaffende Künstlerin siehe auch: www.heike-sackmann.de www.edition753.de gezeichnetheb.wordpress.com https://graphicartcollaborations.wordpress.com/'
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